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Postkarten aus Tolyatti

Persönliches Projekt · Work in progress

Ich habe eine große Zuneigung zu Tolyatti — einer Stadt, in der ich noch nie war, deren Geschichte, Architektur und visuelle Umgebung mich aber schon lange faszinieren. Die Distanz erlaubte mir, die Stadt mit dem Blick einer Designerin zu betrachten: aus einer Entfernung, die ihrem Maßstab entspricht. Die Stadt ist vielschichtig und voller markanter Kontraste: Natur- und Industrielandschaften, drei sehr unterschiedliche Stadtbezirke, sowjetischer Monumentalismus, brutalistische Architektur, Plattenbauten und Industriegeschichte.

Ich habe mich lange und intensiv mit der Geschichte der Stadt beschäftigt: Fachliteratur gelesen, Dokumentarfilme angesehen, Archivmaterial sowie persönliche Blogs von Fotografen und Künstlern studiert und mich mit dem Heimatmuseum ausgetauscht. Die Postkarten waren dabei nie das Ziel dieser Beschäftigung — sie entstanden fast von selbst, als meine Faszination für die Stadt nach und nach in visuelle Ideen überging.

Im Laufe der Arbeit wurde es mir wichtig zu zeigen, wie unterschiedlich — und gerade deshalb überraschend — ein und dieselbe Stadt sein kann.

Der Stadtplan wurde zu einem wiederkehrenden Element der gesamten Serie. Dafür arbeitete ich mit GIS-Software und Geodaten und nahm direkt Kontakt zu Anbietern kartografischer Daten auf.

Konzept

Im Laufe der Arbeit entwickelte sich die Serie in mehrere visuelle Richtungen. Jede entstand aus einem anderen Eindruck von der Stadt und nutzt den Stadtplan von Tolyatti auf ihre eigene Weise.

„Die vielen Gesichter Tolyattis“ ist ein Set aus drei Postkarten über die drei wichtigsten Stadtbezirke. Sie entstanden zu unterschiedlichen Zeiten und für unterschiedliche Zwecke, wodurch sich Architektur und Stadtraum deutlich voneinander unterscheiden. Diesen Kontrast wollte ich beinahe bis zum Paradox steigern: Die drei Postkarten wirken, als würden sie drei verschiedene Städte zeigen — dabei ist es immer Tolyatti.

„Lebendiges Tolyatti“ richtet den Blick stärker auf die Geschichte der Stadt. Hier wollte ich menschliche Wärme mit der Würde und Zurückhaltung eines alten Dokuments verbinden — etwa einer vergilbten Zeitung oder eines Archivdokuments, das von vergangenen Tagen erzählt. Dieser Teil der Serie handelt vom Respekt vor den Ursprüngen der Stadt, von historischem Gedächtnis und vom Kontrast zwischen einer einfachen visuellen Lösung und der Komplexität des dahinterliegenden Themas.

„Leuchtendes Tolyatti“ ist der sonnigste und lebensbejahendste Teil der Serie. Hier finden sich Strände, die Wolga, die Monumentalstele „Freude der Arbeit“, satte Farben und ein Gefühl von Energie. Auch hier geht es um die Vielschichtigkeit der Stadt — diesmal jedoch über Freude, Sommer, Leichtigkeit und Inspiration.

Status

Work in progress. Die Serie befindet sich noch in Entwicklung und wurde bisher nicht gedruckt. Künftig möchte ich eine passende Form für ihre Umsetzung finden.